Vorbereitungen: Wir hatten uns dazu entschieden mit einem Motorrad-AnhĂ€nger nach Schottland zu fahren. Die knappen 1900 Kilometer waren uns einfach zu viel, um mit dem Motorrad anzureisen. Auch der VerschleiĂ wĂ€hrend dieser Fahrt war uns zu teuer. Also mieteten wir fĂŒr unser kleines Abenteuer einen AnhĂ€nger, der drei MotorrĂ€dern Platz bietet. Mit dem FĂŒhrerschein der Klasse B darf man mittlerweile auch schwerer AnhĂ€nger fahren, als die bekannten 750 Kilogramm GefĂ€hrte. Wir trafen uns also an einem Nachmittag und verzurrten unsere MotorrĂ€der gemeinsam auf dem HĂ€nger. Zum ersten Mal. Das sollte spĂ€ter noch zu Problemen fĂŒhren.
Tag 1: Wir wollten möglichst schnell nach Schottland kommen und fuhren deshalb bereits frĂŒh morgens los. Am Abend wartet eine FĂ€hre auf uns. Wir hatten einen Flexi-Tarif gebucht, der uns erlaubte auch vier Stunden vor bzw. nach dem Buchungstermin mit der FĂ€hre auf die Insel ĂŒberzusetzen. Unser AnhĂ€nger war auf 100km/h zugelassen. Das war auch das Maximum, was unser kleiner Opel Meriva mit der doch schwereren Last an der AnhĂ€ngerkupplung an Geschwindigkeit hergab. Als wir den FĂ€hrhafen in Calais erreichten, erwartete uns eine böse Ăberraschung. Ich ging mit unseren FĂ€hrpapieren zum Ticketshop und wollte das Ticket fĂŒr die nĂ€chste FĂ€hre abholen. Mir machte dann aber die Kassiererin klar, dass es einen FĂ€hr-Streik gĂ€be und die nĂ€chsten Stunden keine FĂ€hre fahren wĂŒrde. Damit war unser Plan gescheitert, heute Nacht noch bei einer Freundin in London zu ĂŒbernachten. Die nĂ€chste FĂ€hre sollte vielleicht, unter UmstĂ€nden, eventuell um 11 Uhr abends gehen. Wir sollten uns schon einmal in die Schlange der anderen wartenden Autos stellen. Wir warteten also die nĂ€chsten drei Stunden darauf, dass eine FĂ€hre uns mitnimmt. Und dann hatten wir doch GlĂŒck und die besagte FĂ€hre um 11 Uhr kam und wir setzten ĂŒber. Als Entschuldigung bekamen wir ein kostenloses Essen an Bord. Unsere ersten (aber nicht besten) Fish and Chips. In Dover angekommen suchten wir das nĂ€chste Hostel auf, das gerade am SchlieĂen war. Wir bekamen noch ein Zimmer und verbrachten unsere erste Nacht auf der Insel. Tag 2: Es lagen jetzt noch 760 Kilometer vor uns, bis wir Edinburgh erreichen sollten. Also ab auf die Autobahn und am Abend hatten wir die endlosen 470 Meilen hinter uns gebracht. Im Internet hatte ich vorher einen Park and Ride Parkplatz auĂerhalb herausgesucht, den wir sogleich anfuhren. Der Plan war Auto und AnhĂ€nger die nĂ€chsten fĂŒnf Tage hier stehen zu lassen und mit den MotorrĂ€dern Schottland zu erkunden. Vorort ernĂŒchterten uns einige Schilder, die besagten, dass Fahrzeuge, die ĂŒber Nacht abgestellt werden, abgeschleppt werden wĂŒrden. Ich ging zum Busterminal und fragte nach, ob es nicht doch möglich war unser Auto hier stehen zu lassen. Ich bekam eine positive Antwort und wir machten uns mit RucksĂ€cken bewaffnet in die Innenstadt von Edinburgh um unser Zimmer im vorher gebuchten Hostel zu beziehen. Und der nĂ€chste RĂŒckschlag. Am Hostel angekommen wurde uns mitgeteilt, dass wir fĂŒr den vorherigen Tag gebucht hatten. Da hatte ich wohl etwas mit den Tagen durcheinander gebracht. Hier gab es dann auch gar kein freies Zimmer mehr. Das nette MĂ€dchen an der Rezeption telefonierte fĂŒr uns aber mit einigen umliegenden Hostels und schon bald hatten wir eines gefunden. Wir deponierten unsere Sachen und zogen auf eine kleine Sightseeingtour durch die Stadt. Am Abend landeten wir in unserem ersten Pub und genossen unser erstes schottisches Ale. Tag 3: Wir machten uns nach einem kurzen FrĂŒhstĂŒck im Hostel wieder auf zu unseren MotorrĂ€dern auf dem Park and Ride Parkplatz. Die Bikes luden wir schnell ab, fingen an die Koffer und Taschen anzubringen und uns in unsere Motorradkluften zu schĂ€len.Mir fiel ein öliger Film am Standrohr meines Motorrades auf. Oh nein! Das kannte ich bereits. Ein undichter Simmerring. Bei jedem Ein- und Austauchen verlor ich ein bisschen Ăl aus meiner Gabel und riskierte, dass es auf die Bremsscheibe oder den Reifen tropfte. So konnten wir nicht losfahren. Ich suchte mit meinem Handy im Internet nach einer Honda-Vertragswerkstatt. Es war gleich eine um die Ecke. Ich telefonierte mit den Mitarbeitern und erkundigte mich, ob sie die passenden Ersatzteile vorrĂ€tig hĂ€tten. Der Simmerring war vorhanden. Sollte das ganze Tauchrohr getauscht werden mĂŒssen, hatte ich aber ein Problem. An der Werkstatt angekommen, mussten wir erst einmal zwei Stunden warten, bis ĂŒberhaupt irgendetwas an meinem Motorrad gemacht wurde. Wir wollten das Tauchrohr abschleifen und hoffen, dass der neue Simmerring die Reise durchhalten wĂŒrde. Nach vier Stunden war es dann vollbracht. Die CB stand wieder auf âtrockenem FuĂeâ und wir konnten endlich los. Das ganze hatte uns einige Zeit gekostet. Wir entschlossen uns, die Route etwas zu kĂŒrzen um unserem ersten Anfahrpunkt in Inverness schneller zu erreichen. Zu allem Ăbel fing es kurz nach Fahrtbeginn auch schon wie aus KĂŒbeln an zu Regnen. Auf das typische schottische Wetter waren wir aber vorbereitet. Wir hielten an und zogen unsere Regenkombis ĂŒber. Weiter fuhren wir durch den Cairngorms National Park. Ein wirklich wunderbarer Einstand zu unserer Motorradreise. Der Regen verminderte zwar ein bisschen die Freude, verleihte der Landschaft aber eine gewisse AtmosphĂ€re. In der DĂ€mmerung hungerte es uns und wir kehrten in ein Gasthaus irgendwo zwischen Nationalpark und Inverness ein. Wir bestellten uns das erste und letzte Mal das sogenannte Haggis. Eine SpezialitĂ€t aus der Schottischen KĂŒche bestehend aus dem Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefĂŒllt wird. Im dunkeln machten wir die letzten Kilometer bis zu unserem Hostel in Inverness und suchten uns sofort einen Pub um den Tag ausklingen zu lassen. Tag 4: Heute wollten wir eine Destille besichtigen. Wir wussten nicht genau welche. Wir wollten einfach die nĂ€chst Beste anfahren, die auf unserem Weg gen Norden auftauchte. Und siehe da, es wurde die Dalmore Destille bei Alness. Die Destille ist seit 1839 in Betrieb. Jede Flasche ziert der Kopf eines Zwölfenders, da damals einer der VorgĂ€nger des MacKenzie Clans King Alexander den dritten vor eben so einem Hirsch gerettet haben soll. Wir nahmen an einer FĂŒhrung Teil und wurden durch die Anlage gefĂŒhrt. Wir erfuhren einiges ĂŒber Whiskey. Am Ende gab es dann noch ein GlĂ€schen zum Probieren. Wir teilten uns eines, da wir ja noch weiterfahren wollten. Das Wetter wurde ein bisschen besser (was so viel heiĂt wie, dass es aufhörte zu regnen) und wir konnten die StraĂe an der KĂŒste bis rauf nach John oâGroats genieĂen. Unser Tagesziel befand sich in Thurso. Zuvor kauften wir aber jeder noch in Wick ein Stamperl Old Pulteney als kleines Mitbringsel. Er war der am nördlichsten destillte Whiskey auf dem schottischen Festland. Tag 5: An unserem mittlerweile drittem Motorradtag fuhren wir von Thurso mit einem kleinen Abstecher ins Landesinnere nach Altnaharra bis nach Durness. Wir fuhren fast nur auf den bekannten Single Roads. Diese StraĂen bieten gerade mal Platz fĂŒr ein Auto. Sollte einem einmal Gegenverkehr begegnen, gibt es sogenannte âpassing placesâ. Die kleinen StraĂen schlĂ€ngelten sich durch die schottischen Highlands. Immer mal wieder riss die Wolkendecke auf und wir hatten ein paar sonnige Momente. Die schottische Landschaft war einfach atemberaubend. Man begegnete kaum jemanden und fuhr, wie auf einem fremden Planeten, durch die Gegend. Auch die StraĂen waren alle in einem guten Zustand. Sie waren sehr griffig und trotz Regen hatten wir ein gutes GefĂŒhl in Kurven. Der rauhe Untergrund hatte aber auch seine Nachteile. Vorallem an Jonis Ducati verhielt sich die StraĂe wie ein Sandstrahler. Schon bald war der Lack vom KĂŒhler entfernt. Nach einem Tankstopp, war ich so in Gedanken verloren, dass ich vergaĂ mein Topcase zu schlieĂen. Die Landkarten und die KĂŒchenrolle verbreitete ich dann schön auf den nĂ€chsten Kilometern, bis ich mich wunderte, wo denn die anderen blieben. Ich hielt an und dabei fiel mir das geöffnet Topcase ein. Oh nein. Ich drehte um und sammelte meine Utensilien wieder ein, bis ich meine zwei WeggefĂ€hrten lachend am StraĂenrand sah. Tag 6: Durness â Unapool â Culkein â Ledmore â Ullapool â Garve â Plockton. Das warn unsere Wegpunkte fĂŒr diesen Tag. Im ReisefĂŒhrer stand ĂŒber Plockton, dass es hier wie in der Karibik sein sollte. Mit Palmen und allem drum und dran. Das StĂ€dtchen war auch wirklich schön. Als wir auf der Promenade entlang schlenderten sprachen uns ein Mann und eine Frau mit Hund an, ob wir eine Bar suchen wĂŒrden. Wir bejahten und die beiden fĂŒhrten uns in eine kleine dunkle Gasse. Vorbei an MĂŒlleimern gelangten wir zu einer TĂŒr. Wir traten ein und innen war tatsĂ€chlich eine Bar. Wir vermuteten ja schon sonst was. Sie betitelten es als Backsidebar. TatsĂ€chlich hatte die Bar auch einen vorderen Teil, der ins Hotel mĂŒndete. Der hintere Raum war allerdings komplett davon abgetrennt. Man könnte sagen, er war fĂŒr die trinkstĂ€rkeren Gesellen. Ich orderte drei Bier. Und ich traf Mal wieder mitten ins Schwarze. Wir wollten ja einige regionale Biere/Ale ausprobieren. Doch ich hatte immer Pech und erwischte die Sorten, die uns gar nicht schmeckten.  Auch die Gesellschaft aus einem haufem Betrunkenen wirkte zunehmends ungemĂŒtlicher. Wir tranken dass Ale beinahe mit einem Schluck aus und verlieĂen die Bar wieder. Auf dem Weg zurĂŒck ins Hostel fanden wir dann aber doch noch ein schickes Pub in dem wir versumpften. Tag 7: Isle of Skye stand heute auf dem Programm. Es war kalt und es regnete aus Strömen. Es wurde nicht weniger und als wir die BrĂŒcke zur Isle of Skye ĂŒberquerten, kam auch noch heftiger Wind dazu. Wir beschlossen die Insel auszulassen und weiter an einem Tag nach Glasgow zu fahren. In einem kleinem Restaurant stĂ€rkten wir uns mit Burgern. Eine gute Abwechslung zu Fish and Chips und Haggis in den letzten Tagen. Wir kamen auch an der Burg aus dem Film Highlander vorbei. Es war uns aber zu touristisch und so machten wir nur schnell ein paar Fotos im Regen und fuhren weiter zum Loch Ness. Wenn man in Scotland ist, muss man wohl zum Loch Ness. Und kaum bogen wir zum See ab, bekamen wir Sonne. Die berĂŒhmte Burg konnte man leider nur gegen ein Eintrittsgeld besichtigen. Das wollten wir nicht bezahlen. So sahen wir sie nur aus der ferne. Das Monster von Loch Ness war heute auch nicht bei Laune und blieb ungesehen. Schade. Ich programmierte das Navi um auf der schnellsten Route nach Glasgow zu kommen. Diese fĂŒhrte uns durch eine hĂŒgelige, fast schon gebirgische Landschaft bis zu unserem angepeiltem Hostel. Das war leider schon ausgebucht und so mussten wir ein Hotelzimmer nehmen. Auch mit der Stadt an sich wurden wir nicht warm und so beschlossen wir unseren durch den Regen gewonnenen Motorrad freien Tag nicht hier, sondern in Edinburgh zu verbringen. Tag 8: In Edinburgh angekommen verfrachteten wir die MotorrĂ€der wieder auf den HĂ€nger und bezogen unser Hostel in der Stadtmitte. Es wurde bereits Nachmittag und wir wollten eine Pub-Tour machen. Die Tour war mehr als lustig und der ganze nĂ€chste Tag wurde ein reiner Hangover-Tag. Tag 10 und 11: Wir starteten frĂŒh morgens um rechtzeitig in einem AuĂenbezirk von London mit Metro Anbindung anzukommen. Wir lieĂen das Auto samt HĂ€nger auf einem mehr als gut bewachtem Parkplatz ĂŒber Nacht stehen und fuhren mit den Ăffentlichen zu meiner Freundin, die in London lebte. Wir kamen erst Abends an und so machten wir eine Schnellbesichtigung von London und steuerten gleich das nĂ€chste Pub an. Vor 12 Uhr lagen wir schon auf unseren Isomatten bei meiner Freundin in der Wohnung. Der Wecker sollte um 5 Uhr klingeln. Die Heimfahrt wurde so mehr als anstrengend. ZurĂŒck auf deutschem Boden passierte dann auch endlich dass missgeschickt. Ein Spangurt riss und mein Motorrad kippte ĂŒber 45 Grad nach auĂen. Ich dachte schon, dass es gleich auf der StraĂe landet. Wir waren mitten auf der Autobahn. Ich fuhr vorsichtig zur Seite und wir brachten alles wieder in Ordnung. Da waren wir auch gleich wieder wach und mit genug Kaffee kamen wir spĂ€t Abends wieder in Rosenheim an.